Irma Leticia Silva Rodríguez de Oyuela (Honduras)


 

«Nietzsche hatte Recht, als er sagte, dass die Geschichte das Leben ist. Geschichte hilft, die Gesellschaft zu zivilisieren. »

Honduras, Tegucigalpa, 1935. Ein Mädchen des Mittelstandes kommt zur Welt. Ihre Eltern sind beide Lehrkräfte, genauso wie ihre Groß- und Urgroßmutter. Als sie größer wird, wird sie Rechtsanwältin werden. Aber die Zeit ändert die Dinge und Leticia de Oyuela wird Historikerin – was bedeutet, dass sie auf ihre Art auch Lehrerin wird.

“Mein größter Reichtum war meine Kindheit”, sagt Leticia Rodríguez de Oyuela, in ihrem Rollstuhl sitzend, mit einem Lächeln. Wenn man allerdings ihre Biographie liest, könnte man meinen, der größte Reichtum ist ihr eigenes Leben gewesen.
Alle Frauen ihrer Familie waren Lehrerinnen. “Ich lernte mit 4 lesen. Mit 9 kannte ich schon fast alle Klassiker.” Sie lebten in Tegucigalpa, der Hauptstadt von Honduras. 1932 heiratete ihre Mutter, eine Lehrerin, einen Lehrer wie sie und ein Jahr später wurde Leticia geboren. Mit 12 bewarb sie sich für die Lehrerausbildung, wurde aber aufgrund ihres Alters abgewiesen. Sie besuchte dann die Nebenstelle für Mädchen am Zentralinstitut für Jungen. Später studierte sie Jura und heiratete einen Studienkollegen. Er wurde zum spanischen Konsul ernannt. In Europa studierte sie Geschichte und Kunst. Nach ihrer Rückkehr leitete sie die Erweiterungsabteilung der Nationalen Universität, wo sie kleine Kunstschulen und einen wichtigen Verlag gründete.
1972 leitete sie den Verlag “New Continent Publishing House” und “Leo”, ihre Kunstgalerie. Sie stellte die Arbeiten mehrerer honduranischer Schriftsteller/-innen der Öffentlichkeit auf internationalen Messen vor. Rund um den Verlag gab es eine Bibliothek und ein Zentrum für Antiquitäten und plastische Kunst; sie brachte 14 Kunstausstellungen ins Ausland. Diese hektische Aktivität fand ein abruptes Ende. Sie erlitt einen Schlaganfall und einen Herzinfarkt. Ihr Körper war geschwächt, aber nicht ihr Geist. Sie schrieb über Geschichte und konzentrierte sich auf Nebenfiguren, die vor allem Frauen waren.
In einem Umfeld, in dem Frauen normalerweise eine Nebenrolle spielen, erlangte Leticia als Intellektuelle Achtung. Durch ihre Ausführung über die Rolle von Frauen und vergessenen Personen der honduranischen Geschichte steigerte sie das nationale Bewusstsein für ihre Lage. Denn ohne Bewusstsein ist Frieden nicht möglich.

National Autonomous University of Honduras (Nationale Unabhängige Universität Honduras)
Center-American Chamber of the Book (Zentralamerikanische Kammer des Buches)
International Institute for the Conservation of Monuments (Internationales Institut für Denkmalschutz)

Lateinamerika und die Karibik | Honduras

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