Tiliya Devi ( Indien)


Peacewomen

«Tiliya hat den Menschen der ganzen Gemeinde Würde verliehen, indem sie sie versammelte, um für ihre Rechte gegen traditionell überlegene Mächte zu kämpfen.»

Tiliya Devi, eine Mushar-(Dalit-Gemeinschaft) Frau, wehrte sich gegen die Opposition aus allen Lagern – auch aus ihrer Heimat – um ihrer unterdrückten Gemeinschaft ein besseres Leben zu ermöglichen. Auf dem Weg gelang es ihr, Horden von Frauen auf der Suche nach einem besseren Leben um sich zu scharen und gegen die Macht der Yadav (einer höheren Kaste) zu streiten, die immer weiter in das Agrarland der Mushar eingedrungen waren. Seitdem sie sich für die Wahlen zum Panchayat (Dorfrat) gestellt hat, arbeitet Tiliya seit 2001 auch als Mitglied der Panchayat Samity (Dorfgruppe im lokalen Rat).

Tiliya Devi, 1963 in der Mushar-Gemeinschaft im Dalit-Kerngebiet in Bihar geboren, wuchs genau wie die meisten Mushar-Mädchen auf: Sie schuftete als Sklavin in Schuldknechtschaft. Sie wurde mit 14 verheiratet und war dann weiterhin versklavte Arbeiterin – im Hause ihres Mannes. Das Leben der Mushar-Frauen wandte sich zum Besseren, als die Lok Shakti Sangathan (LSS) (eine Organisation für die Macht des Volkes) in ihre Dörfer kam, ihnen eine Ausbildung in Entwicklungsarbeit und bessere Lebensumstände versprachen. Tiliya schloss sich der Kampagne trotz des Widerstandes ihres Mannes an. Die Mushar waren alle Bauersleute, aber aufgrund des Landmangels in ihrem Siedlungsgebiet waren sie gezwungen, sich an die großen Grundbesitzer und -besitzerinnen zu “verpfänden”. Tiliya entdeckte ein 156 Morgen großes Stück Land in ihrem Dorf, das den Dalit gehörte, in das aber die Yadav, eine höhere Kaste, eingedrungen waren. Tiliya initiierte eine Reihe von Protestkundgebungen und verbreitete die Botschaft, dass man das Land zurückfordern musste, das rechtmäßig ihres war. Die Männer weigerten sich absolut, obwohl die Frauen zu Tiliya hielten. Die Entrüstung war so groß, dass Tiliyas Mann sie aus dem Haus warf, aus Angst vor einem Gegenschlag der höheren Kaste. Und die Menschen der höheren Kaste ließen ihrem Zorn natürlich freien Lauf und griffen die Männer und Frauen und sogar die Kinder der Mushar an. Sie raubten ihr Vieh und zündeten ihre Häuser an.
Aber Tiliya hatte nicht vor aufzugeben und auch der Rest der Mushar nicht. Unterstützt durch die LSS, führte Tiliya einen Protest an und umriss klar ihre Ansprüche. Die Agitation trug 2004 endlich Frucht, als das Land offiziell den Mushar übergeben wurde. 2001 focht Tiliya die Panchayat-Wahlen durch und wurde zum Mitglied des Panchayat Samity ernannt. Ihr Sieg kam fast ohne Gegenstimmen. Keine Gerechtigkeit könnte süßer sein.

Samajik Shaikshnik Vikas Kendra (SSVK)
Südasien | Indien

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