Martine Bonny Dikongue (Ruanda)


 

Peacewomen

«Mein Traum ist, alle Menschen lächeln zu sehen, nicht weil sie es müssen, sondern weil es von innen kommt.»

Martine Bonny Dikongue aus Kamerun wurde 1960 geboren. Sie ist Wirtschaftswissenschaftlerin und Trainerin in gewaltfreier Konfliktlösung. Sie hilft traumatisierten Überlebenden des Völkermordes in Ruanda, wieder Vertrauen zu ihren Mitmenschen zu gewinnen. Sie arbeitet mit Lehrkräften und anderen Berufsgruppen in einem Projekt, das durch die deutsche Regierung und die Protestantische Kirche Ruandas finanziert wird. Sie hat einen eigenen Ansatz in der Traumaarbeit entwickelt, den sie “Methode der weißen Taube” nennt.

Martine Bonny Dikongue aus Kamerun erzählt Geschichten, um die durch den Völkermord in Ruanda Traumatisierten zu heilen. Die 45-jährige Ausbilderin in gewaltfreier Konfliktlösung erklärt Frieden mit einer Geschichte: “In einer sehr dunklen Nacht konnten die Dorfbewohner/-innen zwar nichts sehen, aber sie fühlten, dass ein seltsames Geschöpf da war. Der Erste sagte: Ich fühle etwas Langes; der Zweite: Es ist etwas Dickes; der Dritte: etwas Nasses; der Vierte: nein, etwas Trockenes. Sie konnten sich nicht einigen. Am nächsten Tag sahen sie es: einen Elefanten. Jeder hatte ihn an einer anderen Stelle berührt. So hat jedes Geschlecht, jede ethnische Gruppe und Minderheit ihre eigene Sichtweise. Wenn eine davon ausgeschlossen wird, ist der Konflikt unvermeidlich. Wenn jeder die Auffassung des anderen akzeptiert hätte, hätten sie den Elefanten erkannt.” Die Kamerunerin Dikongue verbringt jährlich einige Monate in Ruanda und hilft dort den Traumatisierten, ihr Vertrauen in die Welt wiederherzustellen. Ihre “Methode der weißen Taube” verbindet Kulturtechniken miteinander, die in afrikanischer Tradition gründen. Dazu gehören Geschichten erzählen, Theater, Tanz und Gesang. “Es gab schon vor 1994 einige Völkermorde in Ruanda, aber die Erinnerung daran wurde unterdrückt und sie zu erwähnen war ein Tabu. Das führte zu einer Kultur des Schweigens und des Misstrauens. Die Gewalt kam mit schrecklicher Kraft zurück. Ich wusste, wir brauchten eine neue Art, miteinander umzugehen, eine aktive und partizipatorische Erziehung, wo Kinder sich aussprechen können.” Langsam und sanft kann Bonny verwüstete Seelen heilen. “Mein Traum ist, alle Menschen wieder lächeln zu sehen”, sagt sie. “Nicht weil sie lächeln müssen, sondern weil es von innen kommt. Jetzt sieht man lächelnde Kinder und lachende Menschen in den Straßen Ruandas. Das ist ein Anfang. Die Menschen fangen wieder an zu leben.”