Indira Jaising( Indien)


Peacewomen
  «Die Stereotypisierung von Frauen, sowohl als Anwältinnen wie auch als Frauen, hat in diesem Beruf ein Extrem erreicht. Es war ein harter Kampf, akzeptiert zu werden, ohne sich selbst zu kompromittieren.»

Während sie einst darum kämpfte, ihren männlichen Kollegen gleichrangig zu sein, ist Indira Jaisings juristische Arbeit und ihr Engagement für die an den Rand Gedrängten heute legendär. Zu ihren Mandanten/-innen gehören Olga Tellis (Rechte der Bürgersteig-Bewohner/-innen), die Opfer des Gaslecks von Bhopal (gegen ihren Ausschluss aus einem von der Regierung angestrebten Prozess), Mary Roy (Erbschaft für Frauen), Gita Hariharan (Recht der Mutter auf Vormundschaft für ihr Kind) und viele andere. Mit jedem Sieg hält Indira die Rechtsprechung an das Ziel der Verfassung – Gerechtigkeit für alle.

Indira Jaising wuchs in einem konservativen Sindhi-Haushalt auf. Sie widersetzte sich der von ihren Eltern vorgesehenen Zukunft – allein die Ehe – und bahnte sich ihren eigenen Weg: Sie wurde Anwältin in einer fast ausschließlich männlichen Zunft, sowohl in der Anwalts- als auch der Richterschaft. Ihre Kollegen und die Richter weigerten sich zunächst, sie ernst zu nehmen, doch sie blieb standhaft: Sie wusste genau, warum sie Anwältin geworden war.
1982 kämpfte Indira um den Olga-Tellis-Fall, einen Meilenstein, und gewann. Das Urteil verbot den Behörden, Bewohner/-innen der Bürgersteige aus ihren Schuppen, Papp- und Bretterbuden zu vertreiben, um die Stadt zu verschönern. Als sie den Fall übernahm, war schon die Vorstellung, dass Bürgersteig-Bewohner/-innen Rechte haben, unerhört. Die Rechtsbücher und –berichte der 1950er und 1960er Jahre zeigen, dass nur die Reichen die Gerichte nutzten, um zu fordern, was sie für ihr unangreifbares Recht hielten. Kein Arbeiter beschwerte sich, dass Mindestlöhne nicht gezahlt wurden, kein Schuldknecht forderte seine Freiheit, keine Frau suchte sich von Gewalt zu befreien.
Abgesehen von Olga Tellis, hat Indira wiederholt indische Rechtsgeschichte geschrieben und jedes Mal einen beträchtlichen Sieg für die von der Gesellschaft an den Rand Gedrängten errungen: unter vielen anderen den Fall des Gaslecks von Bhopal (sie war die Erste, die gegen das selbstgewährte Recht der Regierung, die Opfer zu vertreten, diese selbst aber auszuschließen, opponiert hat) und den Tehri-Damm-Fall (zum Schutz derjenigen, die ihr Land durch Überflutung verloren). Indira kämpfte auch lange und hart gegen Korruption in der Richterschaft. Vor dem Obersten Gerichtshof Indiens vertritt sie die Opfer des Gujarat-Genozids von 2002. Sowohl ihre Methode als auch ihr Ziel sind klar: das Recht an dem Versprechen aus der Präambel der Verfassung Indiens zu messen – Gerechtigkeit für alle.

Lawyer’s Collective (Kollektiv der Rechtsanwälte/-innen)
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