Madeeha Gauhar (Pakistan)


 

Peacewomen

«Indem Madeeha Gauhar das Ajoka-Theater während der strengsten Phase des Kriegsrechts ins Leben rief, schuf sie ein Ventil für Menschenrechtsaktivitäten zu einer Zeit, als andere Möglichkeiten blockiert waren.»

Wenn das alternative Theater heute in Pakistan eine höchst lebendige Form politischen Ausdrucks ist, dann hat das Ajoka-Theater einen großen Anteil daran, ebenso wie seine Gründerin, Madeeha Gauhar, Theaterdirektorin und Menschenrechtlerin. Seit über 20 Jahren von ihr geleitet, war und ist das Ajoka ein integraler Bestandteil im Ringen um ein säkulares, demokratisches, humanes, gerechtes und an Gleichheitsgrundsätzen orientiertes Pakistan.

Als das Regime Zia-ul-Haq jeglichen politischen Ausdruck in Pakistan blockierte, entschloss sich Madeeha Gauhar 1983, eine alternative Theatergruppe – das Ajoka-Theater – zu gründen. Die Gruppe begann mit ihren Aktivitäten bescheiden in den Häusern der Mitglieder, finanziert mit eigenen Mitteln sowie durch Publikum und Spenden. Schon bald hatte Ajoka den Ruf, mutige und aktuelle Themen aufzugreifen, wie die Erosion der Frauenrechte, die Notlage der Schuldknechtschaft, die eingeschränkten Rechte für Minoritäten und die religiöse Intoleranz, die offiziell unterstützt wurde. Angesichts der Zensur lebten Madeeha und ihre Gruppe in Furcht vor Haft und Schlimmerem. Madeeha musste den Beruf als Lehrerin an einer Mädchenschule aufgeben, denn ihre Theateraktivitäten waren für das Regime untragbar. Sie war auch kurz im Gefängnis, weil sie zusammen mit anderen Frauenrechtlerinnen gegen das geplante diskriminierende Law of Evidence (Beweisrechtsgesetz) demonstriert hatte.
Ajoka ist zu einer der führenden Theatergruppen in Pakistan geworden. Die Gruppe hat über 40 originale Stücke und Bearbeitungen vorzuweisen, verwendet Bühnen- und Straßentheater und bietet regelmäßig Theater-Workshops für lokale Gruppen und Kulturschaffende in ganz Pakistan an. Obwohl sich die politischen Verhältnisse geändert haben, seit Madeeha mit ihrer Arbeit anfing, gehören Diskriminierung und Intoleranz noch nicht der Vergangenheit an. Sie macht Theater, um Frieden zwischen Pakistan und Indien zu fördern: Ajoka hat am Kulturaustausch zwischen beiden Ländern teilgenommen. Im März 2004 organisierte das Ajoka-Theater erstmalig das Indisch-Pakistanische Frauentheater-Festival in seinem Standort Lahore. Es gibt immer noch Versuche, die Produktionen von Ajoka zu zensieren, und die Direktorin wird von strenggläubigen Gruppen schikaniert, die Verfahren wegen Diffamierung Pakistans und/oder des Islams gegen sie anstrengen.

Ajoka Theatre (Ajoka-Theater)
Südasien | Pakistan

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