Therezinha de Godoy Zerbini (Brasilien)


 

Peacewomen

«Ich bin ein Freigeist. Ich habe immer mit meinem eigenen Kopf gedacht.»

Therezinha Zerbini (1928) ist als “Frau Amnestie” bekannt. Als Anwältin gründete, organisierte und verbreitete sie die Feministische Bewegung für Amnestie, um eine Tür für die Rückkehr der Demokratie zu öffnen. Therezinha lernte die politischen Hürden kennen und hat nie die Fähigkeit verloren, von dem autoritären Regierungssystem frustriert zu sein.

Als sie 17 Jahre als war, wurde bei ihr Tuberkulose diagnostiziert. Zu dieser Zeit versetzte diese Krankheit alle in Angst und Schrecken. Zur Heilung wurden Menschen in Sanatorien gesperrt. Auch Therezinha ging in eines. Der Arzt verbot ihr zu duschen. Sie hielt sich nicht an seine Anordnungen.
Ihr zweites großes Aufbegehren fand 1964 statt. Ihrem Ehemann, einem General, wurden die politischen Rechte entzogen, weil er mit dem Militärputsch, der die Diktatur einleitete, nicht einverstanden war. Das Militär regierte Brasilien mehr als 20 Jahre lang. Menschen wurden verhaftet, gefoltert und ermordet. Therezinha Zerbini, damals 42 Jahre alt und Mutter von zwei Söhnen, wurde ebenfalls verhaftet. Im Gefängnis hatte sie die Idee, eine Frauenbewegung für Amnestie zu gründen. “Der Keim wurde dort gesät, aber die politische Situation war so angespannt, dass wir bis 1975 warteten, um die Bewegung zu gründen.”
Zu dieser Zeit gab es in Brasilien weder Parteien noch Syndikate noch Pressefreiheit. “Deswegen versammelten wir Frauen, die es verstanden, aus dem Herzen zu sprechen. Die, die aus dem Herzen sprechen, machen keine Fehler.” Therezinha Zerbini mobilisierte überall im Land Amnestie-Kerngruppen, berief öffentliche Versammlungen ein, hielt Vorträge und forderte nationalen Frieden. Sie empfing verfolgte Politiker/-innen bei sich zu Hause: “Sie hatten Hunger; sie aßen. Sie brauchten Schlaf; sie schliefen.” Der Sieg kam 1979. Das Amnestiegesetz wurde unterzeichnet und öffnete die Tore für den Wiederaufbau der Demokratie. Heute, mit 77, ist Therezinha noch immer aktiv. Sie gründete und ist die Präsidentin einer Organisation, die Wasserressourcen schützt, das Offene Institut zur Rettung des Wassers. Für sie ist der Kampf für Demokratie und für das Wohlergehen der Umwelt ein Kampf. “Wer sich für das Leben und die Menschenrechte einsetzt, arbeitet auch für ein intaktes Ökosystem.”

Instituto Aberto de Redenção das Águas (IARA) (Offenes Institut zur Rettung des Wassers)
Lateinamerika und die Karibik | Brasilien

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