Mirta Susana Clara (Argentinien)


 

Peacewomen

«Die Fotos der Gefangenen, die von den Amerikanern/-innen im Irak gedemütigt wurden, erinnern mich an meinen Mann, der 1976 gefoltert wurde, als das argentinische Militär ihn gefesselt in einer Parade vorführte.»

Nach sechs Jahren Gefängnis lernten sich Mirta Clara, ihre Tochter und ihr Sohn sowie der Rest der Gesellschaft langsam wieder kennen. Ihr Ehemann war durch das argentinische Militärregime (1976 – 1983) ermordet worden. Durch ihr berufliches Fachgebiet, Psychologie, versucht sie aus der Gesellschaft ausgeschlossenen Menschen durch eine Politik der Integration zu helfen. Einige von ihnen sind direkt oder indirekt durch Völkermord betroffen, andere sind durch Arbeitslosigkeit und seine Folgen ausgeschlossen, wovon die schlimmste die Armut ist.

“Hiermit schreibe ich an Sie, um die Vorgehensweise und Bestimmung zu hinterfragen, durch die ein Mitglied des Militärs, der Teilnahme angeklagt an einem Todeskonvoi, der am 13. Dezember 1975 22 junge Leute ermordete, seine Stellung als Militärattaché in Italien weiterhin ausüben kann. Dies ist mir ein großes Anliegen.” Mit diesen Worten begann der Brief, der im Oktober 2003 an den argentinischen Kanzler erging. Der Brief war unterzeichnet mit Mirta Clara.
An einem einsamen Ort in der nördlichen Provinz Chaco wurden Mirta und ihr Mann, die bei der Montoneros Guerillagruppe kämpften, im Oktober 1975 verhaftet und in getrennte Gefängnisse gebracht. Im Gefängnis brachte sie ihren Sohn zur Welt. Ihre Tochter, kaum ein Jahr alt, wurde von Verwandten gerettet. Mirtas Mann war einer der 22 Ermordeten. Im November 1983 kam Mirta wieder frei. Es war für die drei nicht leicht, sich wiederzuerkennen. Mirta Susana Clara hatte 1970 ihren Abschluss in Psychologie erworben und sobald sie frei war, verband sie ihre berufliche Tätigkeit mit ihrem Kampf für die Menschenrechte. “Wir sind ein Team aus Spezialisten/-innen für psychische Krankheiten, die dem öffentlichen Gesundheitssystem angehören. Pro Monat treffen wir ungefähr 10.000 Familien.”
Vergangenheit und Gegenwart: “Mit unseren Gefährten/-innen in der Schweiz und in Spanien arbeiten wir daran, einen Ort für ehemalige politische Gefangene einzurichten. An diesem Ort soll die historische Erinnerung über das Geschehene wiederbelebt werden.”
“Ein Brief beendet die Straflosigkeit”, lautete die Überschrift auf der Titelseite der Zeitung “El Diario de la Región – Tagebuch des Widerstands” in Resistencia, der Hauptstadt der Provinz Chaco am 11. Oktober 2003. Weiter lautete es: “Gestern orderte Präsident Kirchner den Militärattaché in Italien zurück nach Argentinien.” Heute sitzt der Mann an demselben Ort in Haft, an dem Mirtas Mann gefoltert wurde.

Municipal Government of Buenos Aires (Stadtrat von Buenos Aires)
Lanas National University (Staatliche Universität von Lanas)
Lateinamerika und die Karibik | Argentinien

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