Olga del Valle Márquez de Arédez (Argentinien)


 

Peacewomen

«Ich bin die Tochter einer Ureinwohnerin und eines Spaniers. Wir, die indigene Bevölkerung, haben einen Auftrag: unsere Toten zu begraben, damit sie in Frieden ruhen können. Und Friede wird mit uns sein.»

Olga Márquez wurde in Tucumán, einer Provinz im Norden Argentiniens, geboren. Sie heiratete und lebte mit ihrem Ehemann in Jujuy, einer benachbarten Provinz. Dann wurde er von den repressiven Truppen der argentinischen Militärdiktatur (1976 – 1983) “verschwunden”. Olga organisierte die Widerstandsbewegung in Jujuy. Gemeinsam mit den Müttern der Plaza de Mayo führte sie den Kampf für Wahrheit und Gerechtigkeit an, der entscheidend war, um die Diktatoren zu stürzen.

In Argentinien hat das Wort “Mütter” einen kraftvollen symbolischen Wert. Die Mütter sind Frauen, die mit der zornigen Forderung nach Wahrheit und Gerechtigkeit für die vermissten Mitglieder ihrer Familien eine Widerstandsbewegung ins Leben riefen gegen die Diktatur, die das Land in Schrecken versetzte (1976 – 1983). Olga Márquez ist eine dieser Mütter. Ihr Ehemann ist einer von denen, die “verschwanden”.
Olga ist in Tucumán, einer Provinz im Nordwesten Argentiniens, geboren und zur Schule gegangen. Dort verliebte sie sich in einen Arzt. Nach ihrer Heirat zog das Paar nach Ledesma, in Jujuy, einer Provinz, die an Tucumán angrenzt. Es ist eine Gegend mit Zuckerrohrplantagen – bitterer Zucker für die Arbeiter/-innen, die extrem arm waren und erniedrigt wurden. Der Arzt kümmerte sich um sie und ihre Kinder und Olga war immer an seiner Seite. Die politische Situation im Land verschlimmerte sich. Eines Nachts im Jahr 1976 erlöschten die Lichter in Ledesma. Olgas Mann und hunderte von Arbeiter/-innen und Nachbarn/-innen wurden geschlagen, gefoltert und gefangengenommen. Nach einem Jahr wurde ihr Mann für kurze Zeit frei gelassen; bald darauf verschwand er für immer. Olga suchte vergeblich nach ihm. Einsam begann sie den großen Marsch zum zentralen Marktplatz von Ledesma. Aber schon bald war sie nicht mehr allein. Auf der Plaza wurden Hunderte von weißen Taschentüchern und Fahnen geschwungen: “Damit unsere Angehörigen lebend zurückkommen und die Schuldigen bestraft werden.” Das war der Beginn der Organisation Mütter von Jujuy.
Olga machte auch während ihrer langen Krankheit weiter, einem Krebs, der sich im ganzen Körper ausbreitete. Im März 2005 starb sie. Ihre Asche wurde vor den Calilegua-Hügeln verstreut, wo, wie sie sich später herausstellte, auch die sterblichen Überreste ihres Mannes zurückgelassen worden waren. Der große Marsch geht weiter. Die Gerechtigkeit ist noch nicht erreicht.

Missing Persons of the Department of Ledesma (Vermisste Personen des Distriktes Ledesma)
Lateinamerika und die Karibik | Argentinien

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