Müyesser Günes (Türkei)


 

«Alle Guerillas, Soldaten und Gefangenen sind meine Kinder. Ich werde für sie alle da sein. Ich kämpfe weiter um den Frieden, damit sie nicht sterben.»

Als Antwort auf Jahre der Unterdrückung durch den türkischen Staat, den Tod von zwei ihrer Söhne und der Zerrüttung ihrer Familie gründete die Kurdin Müyesser Günes Peace Mothers, eine Organisation zur Förderung von Frieden und Gleichheit zwischen Türken/-innen und Kurden/-innen. Sie bietet eine internationale Stimme der Solidarität für Frauen, vor allem Müttern, deren Familien Opfer von Unterdrückung durch politische Regimes geworden sind. Müyesser setzt sich für Menschenrechte ein und wirbt weltweit bei Regierungen und bei anderen Müttergruppen für Frieden zwischen Kurden/-innen und Türken/-innen.

Bis 1990 verbrachte Müyesser den Großteil ihres Lebens als typische kurdische Dorfbewohnerin: frühe Heirat, Kinder, Sorge für kranke Eltern, Landwirtschaft. Aber ihr ältester Sohn verließ wegen Drangsalierung die Schule, um der Guerilla beizutreten, und ihr Mann zog auf Arbeitssuche nach Istanbul. Zuhause war Müyesser fast täglich der Verfolgung durch Sondereinsatztruppen des Militärs ausgesetzt, die nach ihrem Sohn suchten. Als ihr jüngerer Sohn von der Polizei mitgenommen und verhört wurde, veränderte sich etwas in ihr; sie musste als Mutter handeln. Sie begann, sich über die Kurdenfrage in der Türkei zu informieren und die älteren Menschen in ihrem Dorf anzuregen und zu unterrichten. Nachdem ihr Mann und die anderen Söhne von der Polizei mitgenommen worden waren, konnte sie die Unsicherheit und Misshandlung nicht länger ertragen. Sie rief Peace Mothers ins Leben, um Frieden der Kinder halber zu bringen. Sie trafen Professoren/-innen, Autoren/-innen, Politiker/-innen, Leute von Presse und Theater und beschrieben das durch den Verlust ihrer Kinder an Guerillatruppen oder Polizeihaft verursachte Leid. Sie erzählten, dass Kurden/-innen und Türken/-innen Brüder und Schwestern seien, dass sie Hilfe bräuchten, um ihren Kampf zu beenden. Mit ihrer Botschaft reisten sie durch das Land und erhielten die Unterstützung der deutschen, französischen, italienischen, niederländischen und griechischen Botschaften. Wo sie hinkamen, füllten Tausende die engen Straßen mit Blumen in den Händen und ließen weiße Tauben frei, sangen und tanzten. Sie trugen ihre Nachricht ins Baskenland, zu den Müttern der Plaza de Mayo in Argentinien, zum Friedensbüro der Kurdinnen in Deutschland, zu Frauen in Frankreich, Irland und Palästina. Leider kamen Müyessers zwei Söhne in ihrem Kampf für kurdische Menschenrechte um, was ihr großen Schmerz bereitete. Aber heute macht sie um des Friedens willen mit ihrer Arbeit weiter.

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