Kate Michelman (Vereinigten Staaten von Amerika)


 

«Ich beschloss, dass einer der wichtigsten Wege, zu gesünderen Kindern und Familien beizutragen, darin lag, Frauen dazu zu befähigen, Kinder unter selbstgewählten Umständen in die Welt zu setzen.»

2005 erklärte Kate Michelman ihren Rücktritt von Naral Pro-Choice America, um für die Wahl einer/-s “pro-choice” Präsidenten/-in zu arbeiten. Unter ihrer Leitung wurde Naral die wichtigste Gruppe für Fortpflanzungsrechte im Land. Ihr 20-jähriger Einsatz hat zur Legalisierung von Abtreibung und Zugang zu Information über Geburtenkontrolle geführt. Durch die Aufklärung der Frauen über ihren Körper weckt Kate das Bewusstsein ihres Rechts auf Autonomie und auf Leben in einer friedvollen Welt, womit sie unzählige junge Frauen inspiriert hat, sich dem weltweiten Kampf für die Rechte der Frauen anzuschließen.

Kates Empathie entstammt ihrem persönlichem Verständnis. 1970 ließ sie ihr Mann mit der Sorge für drei kleine Töchter sitzen. Kurz nach seinem Weggang entdeckte sie, dass sie schwanger war. Aufgewachsen in einer katholischen Familie, war ihre Entscheidung abzutreiben eine einsame, getroffen zu einer Zeit, als Abtreibung – außer bei Gefahr für Gesundheit oder Leben der Mutter – illegal war. Obwohl das Gesetz die Ausnahme weitläufig auslegte, musste Kate vor einem rein männlichen Ausschuss erscheinen, um mit der Begründung, sie sei labil und nicht in der Lage ein weiteres Kind aufzuziehen, die Genehmigung für die Abtreibung zu erhalten. Ihr Antrag wurde genehmigt, vorausgesetzt, dass ihr Ex-Mann zustimmte. Während des Wartens auf seine Genehmigung trug sie Namen und Telefonnummer einer illegalen Abtreibungsmöglichkeit bei sich. Da der Ex-Mann zustimmte, wurde die Abtreibung legal durchgeführt. “Für mich wurde der Keim des Aktivismus durch meine eigene qualvolle, erniedrigende Erfahrung einer Abtreibung vor dem Roe-Urteil gelegt”, erinnert sie sich.
In ihren Reden stellt Kate oft drei Fragen: Erstens: “Unter welchen Umständen setzen wir Kinder in die Welt und wer trifft die Entscheidung?” Zweitens: “Sollten Kinder aus freier Entscheidung geboren werden oder durch die harte Hand staatlichen Zwangs?” Und drittens: “Sollten Frauen gleichberechtigte, ihren Beitrag leistende Partnerinnen in der Gesellschaft sein oder für die Gesamtheit ihrer gebärfähigen Jahre als Gefangene ihrer Fortpflanzungsfunktion gehalten werden? Kurz gesagt, wer entscheidet? Die Frauen oder die Regierung?”
Kates Einfluss erhielt viel Anerkennung. “Vanity Fair” bezeichnete sie 1998 als eine der 200 einflussreichsten Frauen Amerikas und ein Jahr zuvor Naral als eine der einflussreichsten Interessengruppen in Washington. 1994 ernannte die Zeitschrift “Fortune” Naral zu einer der zehn wichtigsten Interessengruppen Amerikas.

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