Jana Cvikova (Slovakei)


 

Peacewomen

«Meine Mutter sagte immer zu mir: Ein nettes, zärtliches und sensibles Mädchen ist angenehm und alle mögen es. Meine Antwort heute lautet: Ihr könnt mich alle gern haben. »

Die feministische Organisation Aspekt wurde 1993 von Jana Civikova gegründet und war in der Slowakei Vorreiterin für feministische Anliegen. Am Anfang stand ein Kulturjournal, dann erweiterte sich das Spektrum auf das Verlagswesen, eine feministische Bibliothek, Vorträge und Workshops. Jana setzt ihre Schwerpunkte heute auf feministische Literatur und Gleichberechtigung, ein Bildungsprogramm für Gender-Rollen, Stereotypen und Gender-sensible Pädagogik. Workshops für Lehrer/-innen sind in Vorbereitung und Aspekt startet gerade ein dreijähriges Pilotprojekt in einer Grundschule.

Nachdem sie ihren erlernten Beruf verlassen hat, fühlt sich Jana Civikova (42) als Expertin für alles und nichts. Ihren Doktor der Literatur hat sie in den letzten 12 Jahren nicht genutzt. Die Gründerin der feministischen Organisation Aspekt sitzt an einem hölzernen Konferenztisch und überlegt, wie ihre Mission, den Feminismus in die Slowakei zu bringen, ihr Leben verändert hat. Sie fragt sich, wie man eine Vorreitergruppe wie Aspekt als Randerscheinung betrachten kann. Während des Studiums lernte Jana Civikova das berühmte Buch von Alice Schwarzer “Der kleine Unterschied und seine großen Folgen” kennen und es dauerte eine ganze Weile, bis sie begriff, dass alles, was sie fühlte und zornig machte, feministisch war. Ironischerweise war das nach ihrer Heirat. Das Leben mit ihrem Mann und ihrer Tochter (15), zwei Hunden, Schildkröten, einem Chamäleon und australischen Echsen in einer 64m² Wohnung am Rand der slowakischen Hauptstadt Bratislava überzeugte sie, dass Ironie ihrer Familie half, in einer Umgebung zu überleben, die so konträr zu ihren moralischen Idealen war. Aspekt besteht im Grunde aus zwei Frauen: Jana und ihrer Partnerin. Jana Civikova unterstreicht die Bedeutung ihrer Partnerschaft: “Wenn eine von uns stirbt, wäre die andere nicht in der Lage, Aspekt am Leben zu halten.” Leider gibt es keine Nachfolgerin. Und doch ist das verständlich, sagt sie. Welche jüngere Frau würde gerne die Verantwortung übernehmen, so zu kämpfen, wie sie und ihre Partnerin es so viele Jahre lang getan haben? Sie beklagt sich nicht. Sie sorgt sich nur darüber, dass sie missverstanden werden. “Wir werden wie Geisteskranke behandelt, aber das sind wir nicht – es geht nur ums Überleben.” Wenn Jana und ihre Partnerin heute wie verrückt arbeiten, sieht man, wie günstig die Kombination einer ehemaligen kommunistischen Pionierin und einer Katholikin ist: “Daraus entsteht das perfekte Workaholic-Team.”

Aspekt
Europa | Slovakei

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