Sukha “Doctor” ( Indien)


Peacewomen

«Obwohl sie außer ihrer Unterschrift nicht schreiben kann, kann Sukha Doktor ohne einen Moment zu zögern kundig die komplizierten Namen Hunderter medizinischer Kräuter herunterspulen.»

Ein Trainingskurs zur Anwendung traditioneller Arzneien veränderte nicht nur das Leben von Sukha (geb. 1944), Ehefrau eines Lastenkulis, sondern auch das ihres gesamten Dorfes. Das Dorf, in dem es praktisch keine medizinischen Einrichtungen gab und Fortpflanzungsmedizin einen sehr geringen Stellenwert einnahm, ist heute bei “Sukha Doktor” in guten Händen. Sie ist geschickt im Finden, Verarbeiten und der richtig dosierten Verabreichung von Kräutern und ihre Kuren für Fortpflanzungsprobleme, Fieber, Bauchschmerzen und verschiedene andere häufige Krankheiten sind mittlerweile legendär in der ganzen Gegend.

Als die Menschen des Dorfes Sinkathiya Sukha vor zehn Jahren auswählten, an einem Trainingskurs in traditionellen Arzneien für Frauen bei Mahila Samakhya (Frauenermächtigung) teilzunehmen, ahnten sie nicht, dass sie bald “Sukha Doktor” für sie werden würde. Man kannte Sukha nur als Frau des Lastenkulis Ramkishen. Heute kümmert sie sich um die Gesundheit der Männer, Frauen und Kinder in der Gegend. Obwohl sie außer ihrer Unterschrift nicht schreiben kann, kann sie kundig die komplizierten Namen hunderter medizinischer Kräuter herunterspulen. Sie ist geschickt im Finden, Verarbeiten und dem richtig dosiertem Verabreichen der Kräuter an Hunderte von armen und kranken Menschen in ihrem Dorf und in den umgebenden Dörfern. Sukhas Kuren für Fortpflanzungsprobleme, Fieber, Bauchschmerzen und verschiedene andere häufige Krankheiten sind mittlerweile fast legendär in der ganzen Gegend.
Allen in der Region – ihren Kollegen/-innen vom kräutermedizinischen Zentrum Nari Sanjeevani Kendra (NSK), den Dorfleuten, um die sie sich kümmert, und sogar den Ärzten/-innen im staatlichen Krankenhaus der Umgebung – gilt sie als die verehrte Sukha Doktor. Ihre Arzneien sind leicht zugänglich, billig und in Fülle vorhanden. Die Nachfrage nach ihren Mitteln ist inzwischen so stark gestiegen, dass es für das NSK unmöglich geworden ist, nur von seinen beiden Zentren aus zu arbeiten. Rückblickend kann Sukha kaum glauben, wie weit sie es gebracht hat. Anfangs musste sie die Ressentiments der Mächtigen im Dorf aushalten, denen es nicht gefiel, dass eine arme Dalit-Frau Medizin praktizierte. Sie hatte auch Probleme, ihre Glaubwürdigkeit als Ärztin zu etablieren: Die Menschen hatten wenig Vertrauen in die traditionelle Medizin und kamen oft zu spät zur Behandlung zu ihr. Sukha (das “trocken” bedeutet) straft ihren Namen Lügen. Diese jugendliche 60-Jährige kann in der Tat die Krankheit aus den Menschen herauszaubern.

Nari Sanjeevani Kendra (NSK) (Frauengesundheitszentrum)
Südasien | Indien

This post is also available in English.