Lyubov Baskhanova (Russische Föderation)


Peacewomen

«Wir Erwachsenen müssen unsere Kinder um Verzeihung bitten, dass wir ihre Kindheit zerstören. Wir müssen sie auf einen Lebensweg bringen, der ihnen keinen Raum lässt, unsere Fehler zu wiederholen.»

Ljubow Baschanowa wurde in einem Vorort von Grosny geboren. 1989 schloss sie ihr Psychologiestudium an der Universität Leningrad ab, 2002 ihr Studium in Betriebswirtschaft in Machatschkala. 2004 verteidigte sie ihre Doktorarbeit an der Staatlichen Universität Rostow und erhielt ihren PhD in Soziologie. Ljubow hat in Grosny an verschiedenen Instituten und an der Universität unterrichtet und das Zentrum für Information und Analyse der tschetschenischen Präsidialverwaltung geleitet. Seit 2000 arbeitet sie für die tschetschenische Verwaltung an soziologischen Studien in der Konfliktzone.

Ljubow Baschanowa ignoriert nie die Belange einfacher Menschen. 2000 riskierte sie ihr Leben, als sie auf dem Achkha-Martanov-Abschnitt der Straße von Rostow in Russland nach Baku in Aserbaidschan die Erschießung einer Flüchtlingskolonne verhinderte. Ljubow und ihre Kollegen/-innen begleiteten im Rahmen einer soziologischen Untersuchung eine Gruppe von 120 tschetschenischen Flüchtlingen. In der Gruppe waren 85 Frauen und Kinder. Bundessoldaten hielten die Gruppe an. Zwei der Soldaten eröffneten das Feuer auf die LKWs, auf dem die Flüchtlinge waren, dann schoss ein Maschinengewehr aus einem gepanzerten Wagen auf die ganze Kolonne. Als Ljubow sah, was geschah, rannte sie auf einen der Soldaten zu und versuchte, ihm das Gewehr aus den Händen zu reißen. Die Soldaten waren so überrascht, dass sie sofort das Feuer einstellten. Das gab einem der Offiziere, dem ranghöchsten, gerade genug Zeit um zu realisieren, dass die Menschen, die von den LKWs sprangen, unbewaffnet waren. Er befahl, das Feuer einzustellen. Zwei der Soldaten jedoch – die sich von ihrer Überraschung erholt hatten und maßlos wütend über Ljubows unerwartetes Eingreifen waren – fingen an, sie zusammenzuschlagen. Ljubow wurde später wegen des Angriffs auf Soldaten und des Versuchs, sich eine Waffe anzueignen, angeklagt. Ljubow bedauert ihre völlig impulsiven Handlungen nicht, war es doch die einzige Möglichkeit, ein Massaker an unschuldigen Menschen zu verhindern. In einem späteren Interview mit einer regionalen Zeitung bekannte Ljubow, dass sie erst an diesem Tag voll und ganz verstanden hätte, was Friedensaktivismus bedeutet: ein ständiges Risiko, wie der Gang auf einer Klippe. Nach diesem Zwischenfall führte Ljubow trotz der anhaltenden Feindseligkeiten ihre soziologischen Untersuchungen auf dem Gebiet Tschetscheniens fort in dem Versuch, Zukunftsmodelle für eine friedliche Beilegung des Konflikts zu formulieren.

Informational Analytical Center (Zentrum für Information und Analyse)
Administration of the Government of the Chechen Republic (Verwaltung der Regierung der Tschetschenischen Republik)
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