Zulpa Musostova (Russische Föderation)


Peacewomen

«Niemand hat sie zu ihrem Schutzengel auserkoren. Sie ist einfach ein Mensch des guten Willens und des Mitgefühls.»

Sulpa Musostowa wurde 1944 geboren. Nach Abschluss einer medizinischen Ausbildung arbeitete sie eineinhalb Jahre in der Bergregion Schatojewski in Tschetschenien. Später studierte sie sechs Jahre lang am Medizinischen Institut in Donetsk. Als Ärztin arbeitete sie wieder in der Region Schatojewski. Sie praktizierte in vielen Städten der UdSSR, darunter Moskau und Leningrad. Als hoch qualifizierte Neurologin arbeitet sie heute in Grosny, wo die Menschen verzweifelt medizinische Hilfe brauchen. Sie organisiert außerdem humanitäre Projekte für Opfer des russisch-tschetschenischen Krieges.

In der zerstörten Stadt Grosny liegt eine ruhige Straße mit alten, von russischen Luftangriffen gezeichneten Häusern, eine Straße mit Menschen verschiedener Nationalitäten, die sich vor diesem Krieg nicht in andere Regionen Russlands flüchten konnten. Es sind die Einsamen, die Alten, die Kranken. Sulpa wurde zu ihrer Fürsprecherin. Sie behandelt sie medizinisch, versorgt sie mit dem Nötigsten und steht ihnen moralisch bei.
Sulpa ist eine erstklassige Ärztin und eine ausgezeichnete Diagnostikerin – eine der Besten in der Neuropathologie. Der Krieg hat den gewohnten Lebensrhythmus verändert. Sulpa hätte in irgendeine andere Stadt ziehen und in Frieden und Stabilität arbeiten können, aber sie blieb hier, in der Polyklinik № 2. Die Stadt ist wie ausgestorben; überall sind Ruinen, die öffentlichen Verkehrsmittel fahren nicht, es gibt weder Strom noch Wasser. Jeden Tag durchquert Sulpa diese Trostlosigkeit auf ihrem Weg zur Arbeit. Die Poliklinik ist stark beschädigt. Es gibt keine Tür in ihrem Büro und anstatt Glasscheiben nur eine Plastikfolie vor den Festern; keine Medizinschränke, nur Stühle für Ärztin und Patienten/-in. Der Krieg hat die Menschen nicht nur körperlich, sondern auch psychisch verletzt. Beklemmung, Angst, die erlebten Gräuel, der Tod geliebter Menschen, der Verlust von Hab und Gut – all dies erklärt, warum die Zahl der Patienten/innen von Sulpa sprunghaft angestiegen ist.
Sie tut ihr Bestes, um ihnen zu helfen, lernt Krankheiten zu heilen, die im Frieden kaum verbreitet sind. Sie besucht Seminare, verschlingt medizinische Artikel und lernt aus der eigenen Erfahrung. All das hilft ihr, ihre Patienten und Patientinnen so erfolgreich wie möglich zu versorgen, unter Bedingungen des verzweifelten Mangels an medizinischer Ausrüstung. Dank Sulpa Musatsowa konnten hunderte Menschen in und um Grosny qualifizierte medizinische Hilfe erhalten.

Meschdunarodnaja gumanitarnaja iniziatiwa (MGI) (Internationale Humanitäre Initiative)
Europa | Russische Föderation

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