Ana Raffai (Kroatien)


 

Peacewomen

«Jeder Mensch kann für die Freiheit arbeiten. In uns allen ist ein großes Potenzial – eine Quelle für eine bessere Zukunft. Die grundlegende Frage der Veränderung ist: Was kann ich für die Freiheit tun?»
Ana Raffai ist kroatische katholische Theologin. In den letzten zehn Jahren bildete sie mehr als 500 Friedensaktivistinnen und -aktivisten in Gewaltfreiheit und Friedensmediation aus und war deren Mentorin. Gemeinsam mit ihrem Mann entwarf und leitete sie verschiedene Workshops für das Zentrum für Friedensstudien. Einige ihrer Schüler/-innen sind jetzt selbst Ausbilder/-innen in Friedenserziehung. Sie arbeitet auch für verschiedene Religionsgruppen in der Friedenserziehung mit der NGO RAND. In letzter Zeit hat sie engeren Kontakt mit NGOs, die aktiv Proteste organisieren und für Proteste schulen.
Ana Raffai hörte das Wort “Friedensstiftung” zum ersten Mal am Anfang des Krieges in Kroatien. Wenn sie auf ihre Studienjahre zurückblickt, denkt sie nicht, dass sie die von einer Friedensstifterin zu erwartenden Eigenschaften aufwies. Sie hat eine Narbe an der rechten Hand, ein Beweis ihrer Kühnheit, aber auch ihrer Aggressivität im Kampf für ihre Rechte: Ihr jüngerer Bruder hatte ihr, als sie im zweiten Jahr germanische und romanische Sprachen studierte, etwas aus dem Zimmer weggenommen. Sie jagte ihn durch die Wohnung und als er sich im Badezimmer eingeschlossen hatte, zerschlug sie das Glas in der Tür.
Anas nächste Begegnung mit Friedensstiftung fand vor dem Krieg statt. Ihr Mann, ein Kriegsdienstverweigerer, sagte: “Ich bin Pazifist”. Später war Ana froh darüber, dass er dem Dienst mit der Waffe den Rücken gekehrt hatte, weil er in ihrer kleinen Familie gebraucht wurde. 1990 brachte sie eine Tochter und 1991 einen Sohn zur Welt. Es ärgerte sie, dass es während des sich hinziehenden Krieges keinen Raum für andere Prioritäten gab. Jeder, der sich den herrschenden Ideen widersetzte, wurde negativ gebrandmarkt. Damals fand ein Priester eine Familie, die Anas Mann versteckte, denn es gab keinen rechtlichen Rahmen für Kriegsdienstverweigerer. 1992 nahm Ana am Seminar von Hildegard Goss-Mayr in Zagreb teil, wo über Friedensstiftung, Glauben und die Überwindung von Gewalt gearbeitet wurde. Es war nicht leicht für sie. Erst als sie 1995 einen Fortgeschrittenenkurs für den Friedensdienst absolviert hatte, bekam sie einen Zugang zu den Menschen und zu Friedensthemen. Ihr Denken veränderte sich und ihr Leben bekam dadurch eine neue Richtung. Gegen Ende des Kurses in Deutschland, den der Ökumenische Dienst organisiert hatte, entschied sie sich, von ihrem ersten Beruf einer Deutschlehrerin an einer höheren Schule zu dem einer Friedensarbeiterin zu wechseln.

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