Creuza Maria Oliveira (Brasilien)


 

Peacewomen

«Wir Frauen sind für die Veränderung dieser Gesellschaft verantwortlich. Wie können wir in einem Land leben, das 500.000 misshandelten Kindern und Jugendlichen den Rücken zukehrt?»

Creuza Maria Oliveira (geboren 1957) wurde im Alter von zehn Jahren Hausangestellte. Ihren ersten Lohn – der wertlos war – erhielt sie mit 15 Jahren. Wie Tausende von brasilianischen Kindern erhöhte sie die Statistik für Kinderarbeit. Anders als es für viele von ihnen möglich war, hat sie ihr Leben geändert. Als Präsidentin der FENATRAD ist sie derzeit ein Vorbild im Kampf um die Rechte der Arbeiterklasse, um Rassengleichheit und um Abschaffung der Kinderarbeit im Haushalt.

In Brasilien sind eine halbe Million Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 18 Jahren Hausangestellte. Sie müssen ihre Spielsachen und Bücher hinter sich lassen, um sich selbst zu ernähren. Creuza Maria ist ein bildhaftes Beispiel für etwas, das in ganz Brasilien immer noch geschieht. Im Alter von zehn Jahren tauschte sie ihre Kindheit gegen nicht endende Arbeitsstunden ein. “Viele Mädchen verlassen die Schule, ziehen aus dem Haus ihrer Familie und verlieren den Kontakt zu Kindern ihres Alters und ihrer sozialer Klasse. Während sie aufwachsen, ist ihr Arbeitgeber ihr einziges Vorbild.”
Creuza lebte früher auf dem Lande, im Hinterland von Bahia. Es gab nicht genug Nahrung für alle. Ihre Mutter schickte sie in die Stadt. Sieben Tage in der Woche kochte sie, putzte und machte die Wäsche. Dieses einsame Leben dauerte an, bis sie im Alter von 26 Jahren durch eine Radiosendung erfuhr, dass Hausangestellte zusammenkamen, um über ihre Rechte zu diskutieren. Zusammen mit ihren Kollegen/-innen schuf sie 1985 einen Verein. Sie schlossen sich Führungskräften in anderen Staaten an und erreichten die Aufnahme der Rechte der Hausangestellten in die neue brasilianische Verfassung von 1988. Sie gründete FENATRAD, dessen Vorsitzende sie ist, und die Gewerkschaft der Hausangestellten von Bahia.
Creuza nimmt an Treffen im ganzen Land und im Ausland teil. Ihr Selbstwertgefühl hat sie wiedergewonnen und trägt ein schönes Lächeln im Gesicht. Acht Millionen brasilianischen Hausangestellten gibt sie Anlass zum Stolz. Sie nutzt die eigene Lebensgeschichte, um gegen Kinderarbeit in Haushalten zu kämpfen, und versucht, die Erkenntnis von Politikern/-innen und der Gesellschaft in Bezug auf die Situation zu verbessern. Außerdem erteilt sie jungen Hausangestellten Unterricht über ihre Rechte als Bürgerinnen. Darüber hinaus lehrt sie sie, sich selbst als afrobrasilianische Frauen und kompetente Berufstätige zu lieben.

Federação Nacional das Trabalhadoras Domésticas (FENATRAD) (National Federation of Domestic Workers) (Landesverband der Hausangestellten)

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