María del Carmen Sarthes (Argentinien)


 

Peacewomen

«Damit man vergewaltigten und misshandelten Frauen helfen kann, müssen sie sich erst selbst als Opfer von Gewalt erkennen.»

Sie webt seit 23 Jahren. Ihr Name ist María del Carmen Sarthes. Sie kommt aus Argentinien. Mit dieser traditionell weiblichen Tätigkeit webt sie Hoffnung und kämpft für die Rechte von Frauen, Kindern und Jugendlichen. Sie unterstützt vergewaltigte und misshandelte Frauen, leitet Workshops und Seminare über sexuelle und reproduktive Gesundheit und gegen Gewalt. Sie marschiert, unterrichtet, begleitet und webt weiter. Sie hat einen Ehemann, vier Söhne und weibliche Wegbegleiterinnen. Diese unterrichtet sie darin, wie man webt und wie man sich selbst wertschätzt und liebt.

Während hunderte junge argentinische Armeeangehörige im Falklandkrieg (Malvinenkrieg) erfroren, webte María del Carmen Sarthes Mäntel in Rot, Grün, Rosa und Violett. Jede Strähne des Garns war Teil des Kampfes: “Während der Diktatur (1976 – 1983) lebten wir in Angst, doch als das Militär uns den Falklandkrieg aufzwang, gewannen wir unsere Stärke zurück und kämpften für sein Ende.” Der Krieg endete 1982, war aber nur der Anfang von Carmens Kampf. Mit ihren gewebten Schals konnte sie viele geschändete Frauen einwickeln und beschützen.
Sie fing an, in der Katholischen Kirche von Virrey de Pino in ihrer Geburtsprovinz Buenos Aires Katechismus zu unterrichten. Später kam sie in Kontakt mit der Befreiungstheologie, die ihre Sichtweise veränderte: “Ich sah die Situation vieler misshandelter Frauen. Ich fühlte mich schlecht, weil ich innerhalb der Kirche keine Lösung fand.” Die Befreiungstheologie ist eine christliche Theologiebewegung, die in Südamerika entstand. Sie basiert auf dem Kampf gegen die Unterdrückung und die Ausbeutung des Menschen.
Später arbeitete sie mit anderen, ebenfalls der Kirche verbundenen Frauen, gegen Gewalt. Es war das Jahr 1996 und es waren sechs Frauen. Der Name der Gruppe war “Erwachen” und sie erwachten zu mehreren Wahrheiten: dass Frauen nicht über ihr reproduktives Leben bestimmten, dass sie keinen Zugang zu sexueller Gesundheit hatten und dass sie allein für ihre Familie verantwortlich waren, dass sie die Kinder erzogen und keine Zeit für sich selbst hatten. Und dies war Gewalt. Zwischen 1996 und 2005 veranstaltete sie ungefähr 30 Workshops und Seminare. Heute, im Alter von 55 Jahren, ist Carmen Mitglied von Katholikinnen für das Recht auf Entscheidung (CDD). Sie webt weiterhin und jedes Mal, wenn sie ihre Nadeln und Wolle in der Hand hat, denkt sie: “Frauen lernen zu weben, aber sie müssen auch lernen, ihre Rechte als Frauen zu kennen.”

Católicas pelo Direito de Decidir (Catholics for the Right to Decide) (Katholikinnen für das Recht auf Entscheidung)
Lateinamerika und die Karibik | Argentinien

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