
«Der Wert von Gelehrten liegt in ihrer Kraft im Diskurs, mit der sie neue Horizonte und neue Visionen jenseits vorherrschender Vorurteile und Engstirnigkeit öffnen. »
Was Chuen Juei “Josephine” (54) geschafft hat, ist, durch ihre Arbeit als Akademikerin, ihr Engagement in der Gesellschaft und ihre Schriften als Aktivistin, Engstirnigkeit und Vorurteile infrage zu stellen. Durch die Infragestellung traditioneller sozialer Hierarchien und selbstgerechter Moralvorstellungen hofft Ho, auf Gleichheit, Frieden und Gerechtigkeit hinzuarbeiten. Obwohl sie wegen ihres Engagements attackiert und gerichtlich verfolgt wurde, hat sie nie aufgehört, an ihren Menschenrechtsidealen festzuhalten.
Die turbulenten sozialen Veränderungen in Taiwan seit der Aufhebung des Militärrechts 1987 boten Ho Chuen Juei “Josephine” die optimale Gelegenheit, zusammenzustehen mit den vielen anderen Arbeitern/-innen, die wegen des neuerdings verbreiteten Phänomens des Kapitalflusses über Nacht arbeitslos wurden. Außer in der Arbeiterbewegung ist Ho auch bestens bekannt für ihre Arbeit in der Bewegung für Gender- und Sexualitätsrechte. In den frühen 1990er Jahren haben Ho und andere feministische Akademikerinnen entscheidend dazu beigetragen, das gesellschaftliche Interesse für Themen wie sexuelle Belästigung und häusliche Gewalt zu erhöhen. Ho nimmt sich auch Themen verschiedener gesellschaftlicher Gruppen an, darunter Lesben, sexuell aktiver Jugendlicher, Sexarbeiter/-innen, Transgenderfrauen und anderer sexueller Minderheiten. Ho gilt als die Aktivistin, die in diesen Fragen am unverblümtesten das Wort ergreift. Um einen gesellschaftlichen Raum für vielfältige und inklusive Diskussionen zu Randthemen bieten zu können, hat Ho das Zentrum für Studien der Sexualitäten an der Nationalen Zentraluniversität gegründet. Seit 1996 finden hier akademische Aktivitäten wie jährliche Konferenzen über Gender- und Sexualitätsforschung statt; insgesamt wurden 19 Bücher publiziert. Außerdem war Ho Gründungsmitglied und langjährige Unterstützerin der Vereinigung für Gender- und Sexualitätsrechte Taiwans, die 2004 für ihren herausragenden Beitrag den Felipa-Preis der Internationalen Schwulen- und Lesben-Menschenrechtskommission erhalten hat. Ihr 16 Jahre währendes selbstloses Engagement für die Entstigmatisierung zeichnet Ho als aufopfernde Aktivistin und Gelehrte aus.
Gender/Sexuality Rights Association of Taiwan (Vereinigung für Gender- und Sexualitätsrechte Taiwans)
Ostasien | China, Taiwan
