Valentina Cherevatenko(Russische Föderation)


Peacewomen
  «Lasst uns die Pfade zum Krieg in eine Straße zum Frieden verwandeln.»

Walentina Tscherewatenko ist spezialisierte Beraterin für soziale und Arbeitsfragen und hat in Politikwissenschaft promoviert. 1993 gründete sie in Novocherkassk zusammen mit anderen gleichgesinnten Menschen eine regionale Organisation der NGO Soyuz zhenshchin Dona (SZD) (Vereinigung der Frauen vom Don). Als Präsidentin dieser Organisation richtete sie ihre Anstrengungen auf Aktivitäten zur Friedenssicherung und zur Versöhnung zwischen tschetschenischen und russischen Menschen. Sie hat verschiedene Seminare organisiert, die die Heilung psychischer Traumata der Opfer des Krieges zum Thema haben.

Walentina Tscherewatenko erinnert sich oft an ihr erstes Drei-Tage-Seminar zur psychischen Heilung von Kriegstraumata. Unter den Anwesenden waren sowohl Militärangehörige, die an den bewaffneten Konflikten teilgenommen hatten, als auch tschetschenische und russische Frauen, die ihre Männer und Söhne im Krieg verloren hatten. Walentina spürte wachsende Spannung und Hass zwischen den anwesenden Menschen. Eine Konfrontation schien unausweichlich. Allmählich begannen aber beide Seiten zu verstehen, dass sie sich aus dem Teufelskreis des Hasses herausbewegen mussten, auch wenn die Tragödien, die sie erlebt hatten, niemals vergessen werden konnten. Indem sie ihr Leid miteinander teilten, befreiten sie sich selber von ihrem Schmerz. In einer der Aktivitäten während des Seminars zeichnete jede/-r Teilnehmer/-in ein Bild. Walentina erinnert sich besonders an zwei Zeichnungen. Eine war die Zeichnung einer tschetschenischen Frau. Sie zeichnete eine schöne Birke mit einem gebrochenen Stamm. Die Äste waren noch lebendig. Aus dem gebrochenen Stamm tropften Tränen und Blut. Nahe der Birke waren drei kleine Mädchen. Die Tropfen symbolisierten das verebbende Leben der Mutter, die ihr Blut gab, um das Leben ihrer Töchter zu erhalten. Das andere Bild war die Zeichnung von einem russischen Offizier. Er verbrachte viel Zeit damit, seine Stifte auszuwählen, aber als er seine Arbeit zeigte, sah man nur ein weißes Blatt. “Wie sonst kann ich die Leere malen?”, fragte er. Erst am letzten Tag des Seminars änderte sich alles. Die Menschen begannen plötzlich, miteinander zu sprechen. Sie zeigten sich gegenseitig Fotos von ihren Kindern und sprachen über ihre Familien: Ihr Hass schien verschwunden zu sein. Walentina steht noch in Verbindung mit den Teilnehmern und Teilnehmerinnen des Seminars, denn es hat bewiesen, dass Vergebung und Aussöhnung für hasserfüllte Menschen noch möglich sind.

Soyuz zhenshchin Dona (SZD) (Union of Women of the Don) (Vereinigung der Frauen vom Don)
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